Weinrunde mit Herz – Als Mouton auf Gaja traf

Weinfreunde Unterland

Blindverkostung vom 09. Mai 2025

Verkostungsmodus

Im Rahmen einer Blindverkostung wurden zehn internationale Spitzenweine von vier Verkostern nach dem 20-Punkte-Schema bewertet. Die Weine wurden in zufälliger Reihenfolge serviert. Neben zwei großen Sauvignon Blancs standen einige der renommiertesten Rotweine Europas und Australiens auf dem Programm.

Die Top-3 des Abends

1. Château Mouton Rothschild 1996 (Pauillac, Bordeaux)
19,00 Punkte

2. Gaja Costa Russi 2010 (Piemont)
19,00 Punkte

3. Il Marroneto Brunello di Montalcino 2012 (Toskana)
18,88 Punkte

Die Spitzenplätze wurden von drei völlig unterschiedlichen Weinpersönlichkeiten belegt: einem gereiften Premier Cru aus Bordeaux, einem großen Nebbiolo aus dem Piemont und einem klassisch interpretierten Brunello di Montalcino.

Die größte Überraschung

Der ursprünglich vorgesehene Ornellaia 2013 musste aufgrund eines Korkfehlers ersetzt werden. Der kurzfristig eingesetzte Gaja Costa Russi 2010 erreichte mit 19,00 Punkten auf Anhieb einen Spitzenplatz und überzeugte durch Eleganz, Struktur und außergewöhnliche Länge.

Die größte Diskussion

Der Penfolds Grange 1997 sorgte für die unterschiedlichsten Bewertungen und wies die größte Streuung aller Weine auf. Die kraftvolle australische Stilistik wurde von den Verkostern unterschiedlich interpretiert und machte den Grange zum kontroversesten Wein des Abends.

Bemerkenswert

Die Bewertungen lagen insgesamt sehr nahe beieinander. Alle zehn Weine bewegten sich zwischen 17,75 und 19,00 Punkten. Dies unterstreicht das außergewöhnlich hohe Niveau der gesamten Verkostung.


Die Weine des Abends

Flight 1

Cantina Terlan „Quarz“ Sauvignon Blanc Magnum 2018

(Südtirol)

Der Quarz zählt zu den bekanntesten Sauvignon Blancs Italiens. Die Reben wachsen auf mineralreichen Quarzporphyr-Böden oberhalb von Terlan. In der Magnum gereift präsentierte sich der Wein jugendlich, präzise und von beeindruckender Frische. Feuerstein, Kräuterwürze und helle Frucht wurden von einer straffen Säure getragen.

Bewertung: 17,75 Punkte


Flight 2

Erwin Sabathi Pössnitzberg Alte Reben 2019

(Südsteiermark)

Der steirische Sauvignon Blanc zeigte eine völlig andere Stilistik als der Quarz. Alte Reben, lange Hefelagerung und Ausbau im großen Holzfass sorgten für Dichte, Würze und Tiefgang. Reife Birne, Holunder und weißer Pfeffer prägten das Aromabild.

Bewertung: 17,75 Punkte


Flight 3

Vega Sicilia Único 2006

(Ribera del Duero)

Der wohl berühmteste Wein Spaniens beeindruckte mit perfekter Reife. Leder, Tabak, Gewürze und getrocknete Früchte verbanden sich mit samtigen Tanninen und großer Eleganz. Die mehr als zehnjährige Reifezeit vor der Freigabe macht den Único bis heute einzigartig.

Bewertung: 18,00 Punkte


Flight 4

Château Lascombes 2016

(Margaux, Bordeaux)

Der von Tom eingebrachte Margaux aus dem Jahrhundertjahrgang 2016 zeigte die klassische Eleganz des linken Bordeaux-Ufers. Schwarze Kirschen, Veilchen und feine Zedernholznoten wurden von reifen, polierten Tanninen begleitet.

Bewertung: 18,38 Punkte


Flight 5

Il Marroneto Brunello di Montalcino 2012

(Toskana)

Der drittplatzierte Wein des Abends steht für den traditionellen Brunello-Stil. Sangiovese in Reinkultur mit Sauerkirsche, Tabak, Rosen und feiner Mineralität. Besonders die Balance zwischen Frucht, Säure und Tannin überzeugte die Verkoster.

Bewertung: 18,88 Punkte


Flight 6

Mazzei Siepi 2016

(Toskana)

Der ikonische Super Tuscan aus Sangiovese und Merlot zeigte Kraft, Konzentration und große Harmonie. Dunkle Früchte, Schokolade und Kaffee dominierten das Aromenspektrum. Ein Wein von beeindruckender Tiefe und internationalem Format.

Bewertung: 18,00 Punkte


Flight 7

Antinori Tignanello 1998

(Toskana)

Der Pionier der Super-Tuscans präsentierte sich nach fast drei Jahrzehnten in vollendeter Reife. Leder, Tabak, getrocknete Früchte und erdige Noten standen im Vordergrund. Ein Wein, der eindrucksvoll zeigte, wie würdevoll große Sangiovese-Cuvées altern können.

Bewertung: 17,75 Punkte


Flight 8

Château Mouton Rothschild 1996

(Pauillac, Bordeaux)

Der Sieger des Abends. Der Premier Cru aus Pauillac vereinte Kraft und Eleganz auf höchstem Niveau. Schwarze Johannisbeere, Zedernholz, Tabak und klassische Pauillac-Aromatik wurden von vollkommen integrierten Tanninen getragen. Ein Wein auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung.

Bewertung: 19,00 Punkte


Süße Pause

Manincor Le Petit 2017

(Südtirol)

Zur Erdbeer-Tonkabohnen-Kardinalschnitte wurde die Süßwein-Cuvée „Le Petit“ von Manincor gereicht. Die frische Süße und die lebendige Säure sorgten für einen gelungenen Übergang zu den letzten beiden Flights.


Flight 9

Penfolds Grange 1997

(South Australia)

Australiens berühmtester Wein zeigte dunkle Frucht, Eukalyptus, Mokka und die typische Würze des Shiraz. Der Stil polarisierte stärker als bei jedem anderen Wein des Abends, was sich in der höchsten Bewertungsstreuung widerspiegelte.

Bewertung: 18,13 Punkte


Flight 10

Gaja Costa Russi 2010

(Piemont)

Der kurzfristige Ersatz für den ausgefallenen Ornellaia erwies sich als Glücksgriff. Der große Nebbiolo aus Barbaresco begeisterte mit Rosen, Kirschen, Teer, Lakritz und außergewöhnlicher Finesse. Seine Eleganz und Länge brachten ihm gemeinsam mit Mouton Rothschild den ersten Platz ein.

Bewertung: 19,00 Punkte


Fazit

Die Blindverkostung bot eine außergewöhnliche Reise durch einige der bedeutendsten Weinregionen der Welt. Besonders bemerkenswert war, dass sich trotz der unterschiedlichen Stilrichtungen vor allem gereifte Weine durchsetzen konnten. Bordeaux, Piemont und Toskana dominierten die Spitzengruppe, während die beiden Sauvignon Blancs eindrucksvoll zeigten, welches Niveau große Weißweine aus Österreich und Südtirol erreichen können.

Mit Mouton Rothschild 1996 und Gaja Costa Russi 2010 standen am Ende zwei Weine an der Spitze, die auf unterschiedliche Weise das Ideal großer, langlebiger Weine verkörpern: Kraft und Noblesse aus Bordeaux sowie Eleganz und Präzision aus dem Piemont.

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