Best of wine trips

Blaufränkisch hochberc von Albert Gesellmann Sieger gegen hochkarätige Konkurrenz

Nach der Quarantäne und nach diversen Online-Verkostungen konnte sich die Weinrunde Münster am Samstag endlich wieder persönlich – und erfreulicherweise auch vollzählig – treffen. Das Motto, das allerdings auch erst erraten werden musste, lautete „Best of wine trips“ und in der Verkostung kamen nur Weine auf den Tisch, die gemeinsam vor Ort bei den Winzern gekauft wurden. Die Verkostung wurde als Blindverkostung und im Rahmen eines Weinquiz abgehalten: Beim Quiz hatte unser Stefan die Nase vorne und er konnte einen Zenterling Tiroler Alpenprosciutto gewinnen, wozu ich ihm herzlich gratulieren möchte.

Die Weine begleiteten das leckere Menü meiner Gerda bestehend aus einer Lachs-Spargel-Vorspeise, einer würzigen Paella und einer heimischen Käseplatte mit selbst gebackenem Roggen- und Vollkornbrot.

Noch vor der eigentlichen Verkostung gab es zum Einstieg einen knackigen Riesling vom Weingut Ökonomierat Rebholz von unserer Weinreise 2018 in die Südpfalz.

Zwei nicht ganz alltägliche Weißweine

Ein schwieriger Starter in die Blindverkostung war der Completer 2008 vom Weingut Donatsch aus Graubünden. Die alte autochthone Rebsorte begeisterte in der Nase mit Aromen von grünen Äpfeln und erreichte 17,6 Punkte (Rang 7).

Ebenfalls kein gewöhnlicher Weißwein war der Gewürztraminer Exilissi 2010 von Baron di Pauli (Kellerei Kaltern). 15,5 % Alkohol, 9 g/l Restzucker und 5,3 g/l Säure prägten diesen Tropfen. Durch den hohen Zuckergehalt erinnerte die Aromatik an Honig. Falstaff vergab hier nur 89 Punkte; von uns gab es 17,7 Punkte (Rang 5).

Zehn Rotweine in der Blindverkostung

Nach dem wuchtigen Exilissi tat sich der erste Rotwein – ein Pinot Noir 2011 von unseren Freunden von Weinbau Ciprian aus Graubünden – etwas schwer: Immer wieder ein Erlebnis aber war die schwere Burgunderflasche mit den handgeschöpften und einzeln nummerierten Etiketten. Im Schnitt wurden 17,2 Punkte vergeben, was den 12. und letzten Rang bedeutete.

Der zweite Pinot Noir, der Pinéro 2011 von Ca‘ del Bosco aus der Franciacorta in der Lombardei, wurde in der Blindverkostung nicht als Blauburgunder erkannt: Das tiefdunkle Rubinrot täuschte hier etwas, aber die Aromen nach verschiedenen Beeren und der lange Abgang begeisterten durchaus. 17,4 Punkte brachten Rang 9.

Mit Startnummer 5 folgte schon der Sieger des Abends: Der Blaufränkisch hochberc 2011 von Albert Gesellmann aus dem Mittelburgenland hatte ja schon von Falstaff 96 Punkte erhalten und auch bei uns reichten 18,1 Punkte für den ungefährdeten Sieg. Schöne Nase nach Beeren und Weichseln sowie etwas Tabak, gut eingebautes Tannin, ansprechende Säure und ein langer Abgang zeichneten diesen Tropfen aus.

Zum Vergleich gab es den Blaufränkisch Altenberg 2010 von Paul Achs aus Gols – immerhin auch mit 93 Falstaff-Punkten ausgezeichnet: In der Nase dunkle Kirschen mit etwas Schoko und am Gaumen sehr stoffig mit vielen reifen Tanninen – die Kombination war uns 17,6 Punkte (Rang 7) wert.

Weiter ging die Reise in die Toskana: Der Sangiovese Castello di Brolio von Barone Ricasoli hatte schon von James Suckling 96 Punkte erhalten und wir konnten diese Bewertung nur bestätigen: In der Nase etwas kalter Tee und wunderbare Kräuteraromen und am Gaumen ein perfektes Spiel zwischen Körper, Säure und Tanningerüst: Bei uns brachten 17,9 Punkte den 2. Platz an diesem Abend.

Der direkte Rivale war der Chianti Classico 2007 vom Castello di Ama (93 Parker-Punkte): Deutliche Tertiäraromen in der Nase deuten darauf hin, dass dieser Wein seinen Zenit erreicht – für einen Teilnehmer sogar leicht überschritten – haben dürfte. Kräuter- und Kirscharomen in der Nase und samtige Tannine am Gaumen brachten leider nur 17,2 Punkte und somit Rang 11.

Weiter ging es zu den Cuvées: Merlot & Cabernet Sauvignon bilden die Cuvée elegy 2011 vom Weingut Heinrich im Mittelburgenland. Auch hier deckte sich die gute Fachbewertung mit 95 Falstaff-Punkten mit unseren Bewertung in der Blindverkostung: 17,9 Punkte (Rang 2 ex aequo mit dem Castello di Brolio). Würzige und dunkelbeerige Aromatik sowie etwas Mineralik, hervorragend eingebundene Tannine und wieder Beeren im ewig langen Abgang überzeugten uns voll und ganz.

Der Kontrahent des elegy kam aus Südtirol: Castel Campan 2007 (Cabernet Franc & Merlot) vom Weingut Manincor (Kaltern). In der Nabe neben dunklen Beeren auch Anklänge von Zeder und etwas Tabak; am Gaumen mit viel Kraft, wuchtigen aber reifen Tanninen und einem langen Abgang (der aber nicht ganz an den elegy heran kam) sorgten für 17,4 Punkte (Rang 9 ex aequo mit dem Pinéro).

Den letzten Durchgang eröffnete die Cuvée Kerschbaum (Blaufränkisch & Cabernet Sauvignon & Zweigelt) 2011 vom Weingut Paus Kerschbaum aus dem Mittelburgenland. Hier vergab Falstaff immerhin 94 Punkte und auch wir vergaben wohlverdiente 17,75 Punkte (Rang 4) für eine brombeerige und tabakige Nase sowie für ein exzellentes Säurespiel und einen beachtlichen Abgang.

Der offiziell letzte Wein war der Arzio (Merlot & Cabernet Sauvignon & Cabernet Franc) 2010 von Baron di Pauli (Kellerei Kaltern). Ob es an der Startnummer 12 oder an der Komplexität des Weins lag, können wir nicht mehr sagen, ab die fruchtigen Aromen konnten wir nicht eindeutig zuordnen. Sehr wohl gefiel aber das feste Tanningerüst und es gab noch einmal 17,625 Punkte (Rang 6).

Absacker aus der Toskana

Für die letzten Gäste gab es noch einen Absacker aus der Toskana: Der Castel Giocondo Lamaione (Merlot) 2011 wurde nicht mehr bewertet, aber es wäre sehr spannend gewesen, wie dieser Tropfen abgeschnitten hätte. Wir sind uns sicher, dass er im vorderen Teilnehmerfeld zu finden gewesen wäre.

Ich bedanke mich bei allen Gästen für den netten und lustigen Abend!

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