Da lässt er es wieder krachen…..
Unser Weinfreunde-Mitglied Helmut hat wieder einmal tief in die Schatzkammer seines Kellers gegriffen – und damit so manches hedonistische Herz höherschlagen lassen. Was da an großen Weinen ins Glas kam, war wahrlich nicht alltäglich und hat einmal mehr gezeigt, wie viel Freude ein gut gefüllter Keller machen kann.
Lieber Helmut, herzlichen Dank für diesen großartigen Abend, die beeindruckende Weinauswahl und deine Großzügigkeit! Es war ein Fest für die Sinne, mit vielen spannenden Entdeckungen, großen Gewächsen und natürlich jeder Menge Gesprächsstoff.

Hier unsere persönlichen Eindrücke und Bewertungen der verkosteten Weine:
1. Château L’Évangile 1998 – 19,50/20 Punkte
Ein großartiger gereifter Pomerol mit beeindruckender Tiefe und Eleganz. Die dunkle Frucht hat sich mit zunehmender Reife um komplexe tertiäre Aromen von Trüffel, Tabak, Leder, Erde und Gewürzen erweitert. Am Gaumen zeigt sich der Wein dicht, samtig und hervorragend balanciert, mit sehr gut eingebundenem Tannin und langem Nachhall. Besonders beeindruckend ist die Harmonie zwischen Reife, Frucht und Struktur. Mit 19,5 Punkten gehört er zu den absoluten Höhepunkten der Verkostung und liegt gemeinsam mit dem Único an der Spitze der Bewertung.
2. Vega Sicilia – Único Gran Reserva 1998 – 19,50/20 Punkte
Ein außergewöhnlich komplexer und vielschichtiger Wein mit großer Persönlichkeit. Reife rote und dunkle Früchte verbinden sich mit getrockneten Früchten, Leder, Tabak, Zedernholz, Gewürzen und balsamischen Noten. Trotz seiner langen Reife besitzt der Wein weiterhin bemerkenswerte Spannung und Struktur. Seine besondere Stärke liegt weniger in Kraft als in der enormen Tiefe und Vielschichtigkeit. Mit 19,5 Punkten zählt der Único zu den großen Weinen des Abends und erreicht gemeinsam mit Château L’Évangile die höchste Durchschnittsbewertung.
3. J.-L. Chave – Hermitage Rouge 2004 – 19,25/20 Punkte
Ein großer Syrah von beeindruckender Tiefe, Präzision und Länge. Dunkle Beeren, Cassis, Veilchen und schwarzer Pfeffer verbinden sich mit Rauch, Erde und zunehmend komplexen tertiären Aromen. Am Gaumen zeigt der Wein Konzentration, feinkörniges Tannin und eine lebendige Säure, die für eine hervorragende Balance sorgt. Kraft und Eleganz sind außergewöhnlich gut miteinander verbunden. Mit 19,25 Punkten ist er für mich der qualitativ stärkste Wein der Verkostung, auch wenn er in der reinen Durchschnittswertung knapp hinter den beiden 19,5-Punkte-Weinen liegt.
4. Henri Bonneau – Réserve des Célestins Châteauneuf-du-Pape 2004 – 19,05/20 Punkte
Ein außergewöhnlicher und sehr charaktervoller Châteauneuf-du-Pape mit großer aromatischer Tiefe. Reife rote und dunkle Früchte treffen auf Garrigue, Kräuter, Leder, Gewürze und balsamische Nuancen. Am Gaumen wirkt der Wein kraftvoll und warm, gleichzeitig aber sehr ausgewogen und komplex. Kein vordergründiger Fruchtwein, sondern ein gereifter Charakterwein mit enormer Persönlichkeit und langem Nachhall. Die 19,05 Punkte unterstreichen seine außergewöhnliche Qualität.
5. Isole e Olena – Cepparello 2010 – 18,65/20 Punkte
Ein herausragender Sangiovese mit großer Eleganz und bemerkenswerter Tiefe. Reife Kirschen und rote Beeren treffen auf Veilchen, Kräuter, Tabak sowie feine erdige und würzige Nuancen. Die lebendige Säure und das gut eingebundene Tannin verleihen dem Wein Struktur und Länge. Mit 18,65 Punkten liegt der Cepparello deutlich im Spitzenfeld. Besonders bemerkenswert ist die hohe Übereinstimmung der Verkoster mit Bewertungen zwischen 18,5 und 19 Punkten.
6. Château de Chevalier Blanc 2007 – 18,60/20 Punkte
Ein beeindruckender gereifter Bordeaux-Weißwein mit großer aromatischer Tiefe. Reife gelbe Frucht verbindet sich mit mineralischen, rauchigen und leicht nussigen Noten, die durch die Reife zusätzliche Komplexität gewonnen haben. Am Gaumen kraftvoll und gleichzeitig elegant, mit schöner Säurestruktur und langem Nachhall. Die 18,6 Punkte bestätigen die hohe Qualität. Besonders stark ist die sehr einheitliche Bewertung der Verkoster mit 18 bis 19 Punkten.
7. Altesino – Brunello di Montalcino Montosoli 2015 – 17,96/20 Punkte
Ein klassischer und eleganter Brunello mit intensiver Kirschfrucht, Veilchen, Kräutern und würzigen sowie leicht tabakartigen Noten. Die für Sangiovese typische Säure sorgt für Frische und Spannung, während die Tanninstruktur weiteres Entwicklungspotenzial erkennen lässt. Mit 17,96 Punkten erreicht der Wein eine sehr gute Bewertung, wobei er im Vergleich zu den gereiften Spitzenweinen noch etwas jünger und weniger komplex wirkt. Weitere Flaschenreife dürfte ihm gut tun.
8. Weingut Fürst – Weißburgunder „R“ 2020 – 17,80/20 Punkte
Ein eleganter und präziser Weißburgunder mit schöner Frische und guter Balance. Reife gelbe Frucht verbindet sich mit feiner Mineralität und einer angenehm cremigen Struktur. Der Wein wirkt harmonisch, präzise und bereits gut zugänglich. Mit 17,8 Punkten erreicht er eine sehr gute Bewertung und zeigt, dass auch der jüngere Weißwein qualitativ mit den gereiften internationalen Weinen mithalten kann – wenn auch auf einer anderen stilistischen Ebene.
9. Ernst Triebaumer – Mariental 2010 – 17,16/20 Punkte
Ein charaktervoller, gereifter Blaufränkisch mit dunkler Frucht, würzigen Noten und zunehmenden tertiären Aromen. Kirsche und Beeren verbinden sich mit Pfeffer, Kräutern, Tabak und erdigen Nuancen. Der Wein besitzt eine gute Struktur und Länge. Mit 17,16 Punkten liegt er im guten Bereich, wobei die Einzelbewertungen mit 16 bis 18 Punkten stärker auseinandergehen als bei den Spitzenweinen. Dennoch ein sehr interessanter und typischer Vertreter des burgenländischen Blaufränkisch.
10. Ogier – Côte-Rôtie „Réserve du Domaine“ 2015 – 17,00/20 Punkte
Ein würziger und kraftvoller Syrah von der nördlichen Rhône. Dunkle Beerenfrucht, Veilchen, schwarzer Pfeffer, Rauch und mediterrane Kräuternoten prägen das aromatische Bild. Am Gaumen zeigt der Wein eine gute Struktur und die für Côte-Rôtie typische Würze. Die Durchschnittsbewertung von 17,0 Punkten wird allerdings durch eine auffallend niedrige Einzelwertung von 13,5 Punkten deutlich nach unten gezogen. Die übrigen Bewertungen liegen zwischen 17 und 18,5 Punkten und lassen den Wein qualitativ stärker erscheinen, als es der Durchschnitt zunächst vermuten lässt.
10. Weingut St. Michael-Eppan – St. Valentin 2020 – 17,00/20 Punkte
Ein charaktervoller und sehr sauber vinifizierter Weißwein mit ausgeprägter Frucht, Frische und mineralischer Struktur. Am Gaumen zeigt er eine gute Balance zwischen Kraft und Eleganz sowie eine angenehme Säure. Mit 17,0 Punkten wird ein sehr guter und hochwertiger Wein bestätigt. Im direkten Vergleich fehlt ihm allerdings etwas die Komplexität und Tiefe der großen gereiften Weine dieser Verkostung.
Nicht bewertet: Domaine Leflaive – Bâtard-Montrachet Grand Cru 2007
Die Flasche war leider oxidiert und daher nicht bewertbar. Dies ist besonders bedauerlich, da ein Bâtard-Montrachet von Domaine Leflaive zu den großen Weißweinen Burgunds zählen kann. Die vorliegende Flasche erlaubt deshalb keine Aussage über die eigentliche Qualität des Weins oder des Jahrgangs.
