Primeurverkostungen in Bordeaux vom 29.03. bis 01.04.2010

Nach 2006 ergab sich für mich zum zweiten Mal die Gelegenheit einer Einladung nach Bordeaux zu folgen. Neben den allgemeinen Verkostungen der Appellationen konnten wir dieses mal auch eine Reihe von Terminen bei den absoluten Top Weingütern buchen. So waren wir Gast auf den Chateaux: Margaux, Palmer, Lafite, Cos d`Estournel, Ducru Beaucaillou, Ausone und Cheval Blanc.

Meine Erfahrungen im Verkosten von Fassproben sind sehr bescheiden, und ich kann daher keine Urteile über das Potenzial der Weine abgeben. Insgesamt ist der Jahrgang 2009 aber als für Bordeaux eher untypisch einzustufen. Ein recht warmer Temperaturverlauf sorgte für viel Zuckergehalt und somit alkoholreiche Weine. Vor allem der Merlot sorgte nicht selten für Werte zwischen 14 und 15 %. Dem Jahrgang kommt aber zugute, dass auch genügend Säure vorhanden ist. Frucht und Frische halten sich daher oft die Waage. Nur gelegentlich waren harsche und spröde Tannine zu schmecken. Anbei meine Top 10 des Jahres.

  • Cheval Blanc
  • Chateau Margaux
  • Latour du Pin
  • Château Palmer
  • Château Rauzan-Segla
  • Château Ducru-Beaucaillou
  • Château Pichon-Longueville Baron
  • Pavillon Rouge
  • Château Poujeaux
  • Château Malescot-St. Exupery

Einige Spitzengewächse mag man in dieser Liste vermissen. Dies liegt zum Einen daran, dass wir nicht alle top Weine verkosten konnten (Haut Brion, Mouton-Rothschild, Latour sowie eine Reihe von Premier Crus des rechten Ufers, Pessac Leognan haben wir aus Zeitgründen komplett ausgelassen), oder dass sie mit übertriebener Fülle und starkem Toasting einfach nicht meinen Geschmack trafen. So wurde Ausone von meinen Begleitern unisono als der beste Wein des Jahrgangs bewertet. Auch Cos d´Estournel wurde allgemein sehr hoch eingestuft. Beide sind für mich aber in die Kategorie „Blockbuster“ einzureihen.

Einig waren wir uns bei Chateau Lafite. Verschlossen, fest, differenziert und tiefgründig. Fruchtsüsse, trotzdem frisch und Biß am Gaumen. Der Abgang ist allerdings erstaunlich kurz ausgefallen.

Diverse Einladungen zu Mittag- und Abendessen ergaben auch die Möglichkeit, eine Reihe von trinkreifen Weinen zu verkosten. Es folgen kurze Kommentare dazu:

Chasse Spleen 2004
Schöner, klassischer Medoc. Hat alles ohne dabei zu übertreiben

Talbot 2005
Sehr harmonisch und ausgewogen. Florale Noten in der Nase. Feine Tannine. Macht Spaß.

Lynch Bages 2001
Ungewohnt starkes Toasting. Ansonsten zeigt er die von diesem Chateau gewohnte Qualität.

Laroque 1998
Guter Speisenbegleiter. Eine Spur zu dünn. Andere Jahrgänge sind merklich besser (2000, 2005, 2006)

Chateau d´Issan 1995
Sehr verschlossene Nase. Am Gaumen zeigt er Eleganz und Ausgewogenheit. Etwas kurzer Abgang

Chateau d´Issan 2002
Wunderschönes Bouquet. Biß am Gaumen, ohne dabei Eleganz und Ausgewogenheit zu vergessen. Langer, samtiger Abgang. Klar besser als 1995. Das zum Thema großer/kleiner Jahrgang !!

Smith Haut Lafitte 2007
WEISS. Toll gemachter Weißwein. Riesenstruktur und super Bukett. Langer Abgang. Das Holz ist allerdings omnipräsent und Geschmacksache.

Carbonnieux 2007 (Graves)
WEISS. Blumiger Duft und viel Frucht. Frisch ohne aggressive Säure. Toll.

Malartic Lagraviere (Graves)
WEISS. Blumige Nase und fruchtig am Gaumen. Ausgewogen und frisch. Schöner Speisenbegleiter.

Clos Floridene 2008 (Graves)
WEISS. Blumig und frisch. Schön ausgewogen. Super Speisen-Begleiter.

Chateau d´Yquem 1989
Sauternes. Wie machen die das ? Duft nach Aprikosen, extreme Fülle am Gaumen und nicht enden wollender Abgang. Dabei aber frisch, und es kommt auch nach dem dritten oder vierten Glas keine Langeweile auf. Für mich ein glatter 20er !! Dazu serviert wurde Foie Gras und Trüffelbällchen. Mmmmhhh.

Eine unerwartete Blindverkostung als Speisenbegleitung erlebten wir auf  Chateau Rollan de By. Jean Guyon, der Besitzer lud zu einem Mittagessen und nutzte die Gelegenheit, seine Weine im Vergleich zu renommierten Cru Classe zu testen. Als Information gab es nur den Hinweis, dass beide Weine aus dem gleichen Jahrgang sind und einer davon ein Grand Cru Classe sei.

Im ersten Flight standen sich Pichon-Longueville Lalande 2002 und Haut-Condissas Cuvee Prestige (Spitzenwein von Rollan de By) gegenüber. Alle fünf Teilnehmer waren sich einig, dass im ersten Glas der eindeutig bessere Wein serviert wurde. Ein erstklassiger Paulliac oder St. Julien musste es sein. Vielleicht sogar ein Premier Cru. Zu unser aller Überraschung entpuppte er sich als die Cuvee Prestige von Haut Condissas.

Der zweite Flight zeigte ein ähnliches Bild. Chateau Canon 1998 stellte sich dem Cru Bourgois Rollan de By 1998. Wiederum ein deutliches Voting für Jean Guyon. Vier von uns stellten dem Rollan de By das bessere Zeugnis aus. Einzig meine Wenigkeit gab dem Canon den Vorzug. Eine, meiner Meinung nach, metallische Nase des Rollan de By gab dazu den Ausschlag. Am Gaumen und im Abgang sind beide Weine qualitativ gleichwertig.

Verkostungen sind immer subjektiv und welcher Wein am besten schmeckt entscheidet letztendlich der Konsument für sich persönlich. Diese Demonstration zeigte aber eindrucksvoll, das hohe Qualitätsniveau der Weine von Jean Guyon.

Kitzbühel im April 2010

Klaus Kirchmair

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